Hitzewallungen: was im Körper passiert und was wirklich hilft

Drei von vier Frauen erleben in den Wechseljahren Hitzewallungen. Sie kommen ohne Vorwarnung, dauern meist zwei bis vier Minuten und hinterlassen ein Gefühl, als hätte jemand die Heizung aufgedreht. Was dabei passiert, ist inzwischen gut verstanden.
Ein Thermostat mit zu engem Spielraum
Im Hypothalamus, einem kleinen Bereich im Gehirn, sitzt die Temperaturregelung des Körpers. Sie hält die Kerntemperatur in einem schmalen Bereich. Sinkt der Östrogenspiegel, wird dieser Bereich noch schmaler. Schon eine winzige Erwärmung, etwa durch eine heisse Suppe, ein Glas Wein oder Aufregung, wird dann als Überhitzung gewertet. Der Körper reagiert mit dem vollen Programm: Die Blutgefässe in der Haut weiten sich, das Herz schlägt schneller, die Schweissdrüsen springen an. Das ist die Wallung. Danach friert man oft, weil der Körper übersteuert hat.
Wie lange das dauert
Länger, als die meisten denken. Im Schnitt begleiten Hitzewallungen Frauen sieben Jahre, bei einem Teil auch länger als zehn. Sie beginnen oft in der Perimenopause und sind in den ersten ein bis zwei Jahren nach der letzten Blutung am stärksten. Nachts heissen sie Nachtschweiss und sind einer der Hauptgründe für den schlechten Schlaf in dieser Phase.
Was die Wallungen auslöst
Auslöser sind individuell, aber einige tauchen in fast jeder Liste auf:
- Alkohol, vor allem Rotwein
- Koffein und scharfes Essen
- Heisse Getränke und warme Räume
- Stress und Anspannung
- Enge oder synthetische Kleidung
- Rauchen, das die Wallungen nachweislich häufiger und stärker macht
Wer zwei Wochen lang notiert, wann eine Wallung kam und was davor war, erkennt die eigenen Auslöser meist schnell.
Was belegt hilft
Kühlung und Schichten. Klingt banal, ist aber die wirksamste Sofortmassnahme: Kleidung in Lagen, Naturfasern, ein Fenster, das sich öffnen lässt, nachts ein leichteres Duvet und ein kühles Schlafzimmer.
Bewegung. Regelmässiges Ausdauertraining und Krafttraining reduzieren die Häufigkeit der Wallungen bei vielen Frauen und verbessern den Schlaf. Direkt vor dem Schlafengehen ist Sport allerdings kontraproduktiv.
Gewicht. Fettgewebe isoliert, und ein höherer Körperfettanteil ist mit stärkeren Wallungen verbunden. Schon eine moderate Gewichtsabnahme kann spürbar helfen.
Verhaltenstherapie. Kognitive Verhaltenstherapie reduziert nicht die Zahl der Wallungen, aber messbar, wie belastend sie empfunden werden. Das ist in mehreren Studien gezeigt worden und wird in Leitlinien empfohlen.
Hormontherapie. Für Frauen ohne Gegenanzeigen ist sie die wirksamste Behandlung, sie reduziert Wallungen um rund 75 Prozent. Die Risiken hängen stark von Alter, Beginn und Präparat ab. Das ist ein Gespräch für die Praxis, nicht fürs Internet.
Nicht hormonelle Medikamente. Seit einigen Jahren gibt es Wirkstoffe, die direkt am Thermostat im Gehirn ansetzen, ohne Hormone. Sie sind eine Option für Frauen, die keine Hormone nehmen können oder wollen.
Was eher nicht hilft
Für viele pflanzliche Präparate wie Traubensilberkerze, Soja-Isoflavone oder Rotklee ist die Studienlage dünn oder widersprüchlich. Manche Frauen berichten von Besserung, im Durchschnitt liegt der Effekt nahe am Placebo. Wer sie ausprobieren will, sollte das der Ärztin sagen, weil einige Präparate mit Medikamenten wechselwirken.
Wann zur Gynäkologin
Wenn Wallungen den Schlaf über Wochen stören, die Arbeit beeinträchtigen oder mit Herzrasen, Schwindel oder Gewichtsverlust einhergehen. Nicht jede Hitzewallung ist hormonell, auch die Schilddrüse kann dahinterstecken.
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