Vaginale Trockenheit: sprechen wir darüber

Hitzewallungen gehen vorbei. Vaginale Trockenheit bleibt, wenn man nichts unternimmt, und sie wird mit den Jahren eher stärker. Trotzdem sprechen nur etwa ein Viertel der betroffenen Frauen mit ihrer Ärztin darüber. Dabei ist das Thema gut behandelbar.
Was genau passiert
Die Schleimhaut der Vagina und der Vulva ist eines der östrogenempfindlichsten Gewebe im Körper. Fällt der Östrogenspiegel, wird das Gewebe dünner, weniger durchblutet und produziert weniger Feuchtigkeit. Der pH-Wert steigt, die schützenden Milchsäurebakterien nehmen ab. Medizinisch heisst das urogenitales Menopausensyndrom, weil oft auch Blase und Harnröhre betroffen sind.
Die Folgen: Trockenheit, Brennen, Juckreiz, Reizung durch Kleidung oder Sport, Schmerzen beim Sex, kleine Risse und häufigere Blasenentzündungen. Anders als bei den Hitzewallungen wird es ohne Behandlung nicht von selbst besser.
Nicht nur in den Wechseljahren
Auch jüngere Frauen kennen das Problem: nach der Geburt und in der Stillzeit, unter hormoneller Verhütung mit niedrigem Östrogenanteil, bei bestimmten Medikamenten wie Antihistaminika oder Antidepressiva, nach Krebsbehandlungen oder einfach in stressigen Phasen. Und oft ist die Pflege selbst der Auslöser: Duschgel, Intimsprays und parfümierte Slipeinlagen reizen die empfindliche Haut.
Mythen, die sich halten
«Das ist normal, damit muss man leben.» Häufig ja, normal nein. Beschwerden, die den Alltag oder die Sexualität einschränken, sind ein Grund für eine Behandlung.
«Viel waschen hilft.» Das Gegenteil ist der Fall. Die Vulva braucht Wasser und höchstens eine milde, unparfümierte Waschlotion. Die Vagina reinigt sich selbst.
«Wenn ich keine Lust habe, liegt es an der Beziehung.» Wer Schmerzen beim Sex hat, verliert die Lust darauf, das ist kein Beziehungsproblem, sondern ein körperliches, und es lässt sich lösen.
Was hilft
Pflege ohne Reizstoffe. Keine Seife, keine Duftstoffe, keine Feuchttücher. Baumwollunterwäsche, nachts möglichst ohne. Nach Sport und Schwimmen rasch aus der nassen Kleidung.
Befeuchtende Pflege. Regelmässig angewendete Feuchtigkeitsgele oder ölbasierte Pflegeprodukte für die Vulva verbessern das Hautgefühl bei vielen Frauen deutlich. Wichtig: Ölbasierte Produkte vertragen sich nicht mit Latexkondomen.
Gleitmittel beim Sex. Wasserbasiert für Kondome, silikonbasiert für längere Haltbarkeit. Das ist keine Notlösung, sondern für viele Paare ab der Lebensmitte selbstverständlich.
Lokales Östrogen. Cremes, Zäpfchen oder Ringe mit sehr niedrig dosiertem Östrogen wirken direkt am Gewebe und gelangen kaum in den Blutkreislauf. Sie gelten auch für viele Frauen als sicher, die keine systemische Hormontherapie machen können. Der Effekt braucht einige Wochen und hält nur, solange man sie anwendet.
Beckenbodentherapie. Verspannte Beckenbodenmuskulatur verstärkt Schmerzen beim Sex. Spezialisierte Physiotherapeutinnen können hier viel erreichen.
Regelmässige Sexualität. Ob mit Partnerin, Partner oder allein: Durchblutung und Elastizität des Gewebes profitieren davon.
Wann zur Gynäkologin
Immer, wenn Beschwerden länger als ein paar Wochen anhalten, bei Blutungen nach dem Sex, bei wiederkehrenden Blasenentzündungen oder wenn Pflegeprodukte nicht reichen. Ein Satz genügt, um das Gespräch zu beginnen: «Ich habe seit einiger Zeit Beschwerden im Intimbereich.» Gynäkologinnen hören das täglich.
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