Perimenopause: die ersten Anzeichen, die viele Frauen übersehen

Die Wechseljahre beginnen nicht mit der letzten Blutung. Sie beginnen Jahre davor, leise und oft unbemerkt. Diese Phase heisst Perimenopause, und sie ist der Teil der Wechseljahre, über den am wenigsten gesprochen wird, obwohl die meisten Beschwerden genau hier auftreten.
Wann es losgeht
Im Durchschnitt setzt die Perimenopause zwischen 40 und 45 ein, bei manchen Frauen schon Ende dreissig. Sie dauert vier bis acht Jahre und endet mit der Menopause, also der letzten Regelblutung, die in Mitteleuropa im Schnitt mit 51 Jahren stattfindet. Ob eine Frau früh oder spät dran ist, hängt stark von der Veranlagung ab: Wer wissen will, wann es ungefähr losgeht, fragt am besten die eigene Mutter.
Was im Körper passiert
Die Eierstöcke produzieren nicht plötzlich weniger Hormone, sondern unregelmässig. In manchen Zyklen ist der Östrogenspiegel höher als je zuvor, in anderen fällt er ab. Das Progesteron, das nach dem Eisprung gebildet wird, geht als Erstes zurück, weil der Eisprung immer öfter ausbleibt. Dieses Auf und Ab erklärt, warum sich die Perimenopause so widersprüchlich anfühlt: heftige Blutungen in einem Monat, kaum welche im nächsten.
Die Anzeichen, die oft anders erklärt werden
Hitzewallungen sind das bekannte Symptom, aber selten das erste. Viel häufiger beginnt es mit Dingen, die man auf den Alltag schiebt:
- Der Zyklus verschiebt sich. Erst um ein paar Tage, dann um Wochen. Manche Zyklen werden kürzer, andere deutlich länger.
- Der Schlaf wird leichter. Aufwachen um drei oder vier Uhr, ohne erkennbaren Grund, und danach lange wach liegen.
- Die Stimmung schwankt stärker. Reizbarkeit, Weinerlichkeit oder eine unerklärliche Unruhe, oft in den Tagen vor der Blutung.
- Das Gedächtnis fühlt sich vernebelt an. Wörter fehlen, Namen sind weg. Der sogenannte Brain Fog ist gut belegt und geht nach den Wechseljahren meist wieder zurück.
- Die Haut verändert sich. Trockener, dünner, empfindlicher, und oft kommen Unreinheiten zurück, die seit der Pubertät verschwunden waren.
- Die Intimzone wird trockener. Brennen, Reizung oder Schmerzen beim Sex, weil das Gewebe weniger Östrogen bekommt.
- Die Libido verändert sich. Oft weniger, manchmal auch mehr, fast immer anders als früher.
Kaum eine Frau hat alle Symptome. Die meisten haben zwei oder drei, und genau deshalb fällt der Zusammenhang so selten auf.
Was man selbst tun kann
Der erste Schritt ist Beobachten. Ein einfaches Zyklustagebuch, ob als App oder auf Papier, zeigt nach drei Monaten Muster, die sonst niemandem auffallen: Wann der Schlaf schlecht war, wann die Stimmung kippte, wann die Blutung kam. Mit diesen Notizen ist das Gespräch in der Praxis deutlich konkreter.
Ansonsten gilt, was langweilig klingt und trotzdem stimmt: Regelmässiger Schlaf, Krafttraining, genug Eiweiss, wenig Alkohol. Alkohol verstärkt Hitzewallungen und stört den Schlaf messbar, das merken viele Frauen in dieser Phase zum ersten Mal deutlich.
Wann zur Gynäkologin
Wer Beschwerden hat, die den Alltag einschränken, muss sie nicht aussitzen. Es gibt hormonelle und nicht hormonelle Behandlungen, und die Studienlage dazu ist heute deutlich besser als noch vor zwanzig Jahren. Ein Hormontest ist in der Perimenopause übrigens wenig aussagekräftig, weil die Werte von Woche zu Woche schwanken. Die Diagnose stellt die Ärztin über die Beschwerden und das Alter, nicht über einen Laborwert.
Sehr starke oder sehr lange Blutungen, Blutungen nach dem Sex oder Blutungen nach mehr als einem Jahr Pause gehören immer abgeklärt.
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