Libido in der Lebensmitte: was sich ändert und was nicht

Die Lust verändert sich in der Lebensmitte, bei fast allen Frauen. Bei manchen wird sie weniger, bei anderen freier als je zuvor, weil Verhütung, Kinderwunsch und kleine Kinder kein Thema mehr sind. Was fast nie stimmt: dass es nur an den Hormonen liegt.
Was die Hormone beitragen
Östrogen hält das Gewebe der Vulva und Vagina elastisch und feucht. Sinkt es, wird Sex für viele Frauen unangenehm bis schmerzhaft, und wer Schmerzen erwartet, hat weniger Lust. Das ist der häufigste körperliche Grund, und er ist gut behandelbar.
Testosteron, das auch Frauen produzieren, nimmt ab dem dreissigsten Lebensjahr langsam ab. Sein Einfluss auf die weibliche Lust ist geringer als oft behauptet, bei manchen Frauen nach den Wechseljahren aber spürbar. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, entscheidet sich im Einzelfall.
Was sonst noch mitspielt
Schlaf. Wer nachts dreimal aufwacht, hat abends keine Energie für Nähe. Schlafstörungen sind einer der am meisten unterschätzten Lustkiller in den Wechseljahren.
Stress und Kopf. Die Lebensmitte ist für viele Frauen die dichteste Phase: Beruf, Kinder, alternde Eltern. Die weibliche Lust ist stark davon abhängig, ob der Kopf frei ist. Das ist keine Schwäche, sondern Physiologie.
Beziehungsdauer. Nach zwanzig Jahren ist das Begehren ein anderes als nach zwei. Das ist normal und betrifft beide Seiten.
Körperbild. Gewicht, Haut, Haare verändern sich. Wer sich im eigenen Körper nicht wohl fühlt, zeigt ihn ungern.
Medikamente. Manche Antidepressiva, Blutdruckmittel und hormonelle Verhütung dämpfen die Lust. Das ist ein bekanntes Problem, das sich oft mit einem Wechsel lösen lässt.
Was hilft
Schmerzen zuerst lösen. Gleitmittel, befeuchtende Pflege, bei Bedarf lokales Östrogen. Ohne Schmerzen kommt die Lust oft von selbst zurück.
Lust folgt Berührung, nicht umgekehrt. Viele Frauen erleben ab der Lebensmitte das, was Sexualtherapeutinnen reaktives Begehren nennen: Die Lust ist nicht vorher da, sondern entsteht, wenn es angenehm wird. Wer auf spontane Lust wartet, wartet oft vergeblich. Wer Nähe zulässt, ohne dass sie zu etwas führen muss, gibt der Lust eine Chance.
Reden. Der Satz «Ich habe weniger Lust, und es liegt nicht an dir» erspart Paaren Monate der Missverständnisse.
Allein anfangen. Der eigene Körper verändert sich, und was früher funktionierte, funktioniert vielleicht anders. Das selbst herauszufinden ist oft der einfachste Weg, es später zu teilen.
Schlaf und Bewegung. Beides wirkt auf die Lust direkter als jedes Präparat.
Wann zur Gynäkologin
Bei Schmerzen beim Sex, bei Trockenheit, die Pflege nicht löst, oder wenn der Verlust der Lust selbst belastet. Nicht jede Frau will mehr Lust, und das ist ebenso in Ordnung. Aber wer darunter leidet, muss es nicht hinnehmen. Gynäkologinnen und Sexualtherapeutinnen haben für diese Phase deutlich mehr Antworten, als die meisten Frauen vermuten.
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