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Zyklus

PMS oder PMDS? Wenn die Tage vor den Tagen zur Last werden

Reizbarkeit, Traurigkeit, Heisshunger: Wo die Grenze zwischen normalen Schwankungen und einer behandelbaren Störung liegt.

29. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit · Redaktion
Frau mit Notizbuch und Tee auf dem Sofa, nachmittags

Etwa drei von vier Frauen spüren in den Tagen vor der Blutung Veränderungen: gespannte Brüste, ein aufgeblähter Bauch, dünnere Nerven. Das ist das prämenstruelle Syndrom, PMS. Bei drei bis acht Prozent der Frauen sind die Beschwerden so stark, dass Beziehungen, Arbeit und Alltag regelmässig darunter leiden. Dann spricht die Medizin von PMDS, der prämenstruellen dysphorischen Störung. Der Unterschied ist nicht die Art der Symptome, sondern ihre Wucht.

Was in der zweiten Zyklushälfte passiert

Nach dem Eisprung steigt das Progesteron, in den letzten Tagen vor der Blutung fallen Progesteron und Östrogen gemeinsam ab. Bei PMS und PMDS sind die Hormonspiegel nicht anders als bei anderen Frauen. Anders ist, wie das Gehirn auf den Abfall reagiert: Ein Abbauprodukt des Progesterons wirkt normalerweise beruhigend, bei betroffenen Frauen löst es das Gegenteil aus. Das erklärt, warum die Beschwerden mit der Blutung schlagartig verschwinden.

Typische Anzeichen

Körperlich: Brustspannen, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen, Heisshunger, Müdigkeit, Hautunreinheiten.

Seelisch: Reizbarkeit, Weinerlichkeit, Angst, Konzentrationsprobleme, das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.

Bei PMDS dominieren die seelischen Symptome, oft mit Hoffnungslosigkeit, Wutausbrüchen oder dem Gefühl, eine andere Person zu sein. Viele Betroffene beschreiben, dass sie sich in dieser Woche jedes Mal in Frage stellen und nach der Blutung nicht verstehen, was los war.

Der Test, der zu Hause funktioniert

Die Diagnose braucht kein Labor, sondern ein Tagebuch. Zwei bis drei Zyklen lang täglich Stimmung, Energie, Schlaf und körperliche Beschwerden notieren, mit einer einfachen Skala von eins bis fünf. Zeigt sich ein Muster, das in der Woche vor der Blutung beginnt und mit ihr endet, ist die Sache klar. Bleiben die Beschwerden über den ganzen Zyklus, liegt die Ursache woanders, etwa in einer Depression oder Angststörung, die sich vor der Blutung nur verstärkt.

Was hilft

Bewegung. Regelmässiger Ausdauersport gehört zu den am besten belegten Massnahmen gegen PMS-Beschwerden.

Ernährung. Weniger Salz gegen Wassereinlagerungen, weniger Koffein und Alkohol gegen Reizbarkeit, regelmässige Mahlzeiten gegen Heisshunger und Stimmungsabstürze.

Kalzium und Vitamin B6. Für beide gibt es Studien, die eine Linderung zeigen. Vitamin B6 nicht dauerhaft hoch dosieren.

Mönchspfeffer. Eines der wenigen pflanzlichen Mittel mit brauchbarer Studienlage bei PMS, vor allem bei Brustspannen. Wirkung nach etwa drei Monaten beurteilen.

Den Kalender kennen. Wichtige Gespräche, grosse Entscheidungen und volle Wochen nach Möglichkeit nicht in die kritischen Tage legen. Das ist kein Kleinbeigeben, sondern Planung.

Bei PMDS: ärztliche Behandlung. Bestimmte Antidepressiva wirken bei PMDS schon nach wenigen Tagen und können auf die zweite Zyklushälfte beschränkt werden. Auch hormonelle Verhütung, die den Eisprung unterdrückt, kann helfen. Beides gehört in ärztliche Hände.

Wann zur Ärztin

Wenn das Tagebuch ein klares Muster zeigt und die Beschwerden den Alltag beeinträchtigen. Sofort, wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr leben zu wollen, auch wenn sie mit der Blutung wieder verschwinden. PMDS ist eine anerkannte Diagnose und keine Empfindlichkeit.

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